Reform im Katholizismus 2016_aktualisiert.inddVom 28. November bis 1. Dezember fand in der in der Evangelischen Akademie Tutzing (EAT) eine prominent besetzte Fachtagung zum Thema „Reform im Katholizismus. Traditionstreue und Veränderung in der Römisch-Katholischen Theolgie und Kirche“ statt, die die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) in Kooperation mit der EAT und dem Konfessionskundlichen Institut Bensheim veranstaltete. Vor dem Hintergrund des Reformationsjubiläums diskutierten evangelische und römisch-katholische Theologinnen und Theologen Fragen des ökumenischen Miteinanders und Möglichkeiten für die ökumenische Arbeit der kommenden Jahre.

Die Tagung knüpfte an ein Symposium zum Thema “Luther. Katholizität und Reform” an, das 2014 von der katholischen Kirche im Blick auf das Reformationsgedenkjahr 2017 ausgerichtet in Erfurt wurde. Der Catholica-Beauftragte der VELKD, Landesbischof Karl Hinrich Manzke, hob hervor, die Erfurter Luther-Tagung habe dazu beigetragen, “unser Reden über Martin Luther zu verändern”. In Tutzing ginge es nun darum “unsere eigene Lesart unserer Geschichte ins Verhältnis zu bringen zu den Reformen im Katholizismus”. Der Vizepräsident des Kirchenamts der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Thies Gundlach, erklärte, die Kirchen wollten gemeinsam auf das Reformationsjubiläum zugehen, “weil wir eine gegenseitige Profilierung durch Abgrenzung nicht mehr wollen”. Es gehe um einen wertschätzenden Blick auf den jeweils anderen.

In seinem Grußwort wies der Vorsitzende der Ökumenekommission der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, auf die Unterscheidung zwischen der grundlegenden christlichen Tradition und den vielen, geschichtlich-kulturell bedingten Traditionen hin. Letztere spiegelten immer auch den Zeitgeist vergangener Epochen und seien somit auch veränderlich.

Prof. Dr. Bernd Oberdorfer (Augsburg), der zum Auftakt in den Themen- und Fragehorizont der Tagung einführte, bezeichnete ihr Anliegen als “Freund-Beobachtung”. Bestehende Klischees sollten überprüft werden. “Das genaue Hinsehen verwischt die Unterschiede nicht, sondern will sie besser verstehen”, betonte er. Es sei erfreulich, dass die Tendenz, „sich gegen andere Gestalten des Christentums zu profilieren“, zunehmendem Verständnis und ökumenischem Austausch gewichen sei. So gelte auch für die Tagung in Tutzing: „Nicht was uns trennt, soll im Zentrum stehen, sondern was uns verbindet.“

Der frühere Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann untersuchte in seinem Referat den Themenkomplex „Traditionstreue und Erneuerung in der Römisch-Katholischen Kirche“. Dabei gehe es zentral. „um das Verhältnis von Kontinuität, Beständigkeit und Verlässlichkeit im Sinne einer ‚Traditionstreue‘ einerseits und um den Spielraum für Reformen – auch wenn sie ganz unterschiedlicher Art sind – anderseits“, stellt Kardinal Lehmann fest. Lehmann hob weiter den “inneren Zusammenhang zwischen Kirchenreform und Spiritualität” hervor. Wenn dieser nicht beachtet werde, sei “die Gefahr der Verflachung der Reformanliegen sehr groß”. Dies sei “am Ende auch ein Grund, warum viele Reformprozesse bald ermüden und versiegen”, fügte er hinzu. Die kirchliche Konzeption von Reformen dürfe nicht nur auf institutionelle und strukturelle Veränderungen hinauslaufen. “Die Umkehr muss sich in der Ganzheit des Lebens bewähren“

Im Verlauf der Tagung standen Vorträge u. a.  zum Kirchlichen Lehramt in seiner Bedeutung für die Entwicklung des Glaubens, zur historischen Entwicklung der kirchlichen Organisation und zur Dogmenhermeneutik auf der Tagesordnung. Im Anschluss an einen ökumenischen Gottesdienst in der Tutzinger Christuskirche, bei der der leitende Bischof der VELKD, Landesbischof  Gerhard Ulrich (Nordkirche) die Predigt hielt, diskutierten bei einem öffentlichen Abendgespräch am 29. November der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Martin Junge (Genf), der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof  Heinrich Bedford-Strohm (München) und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz , Reinhard Kardinal Marx (München/Freising) über „Reform(ation) heute? Die Kirchen vor gemeinsamen Herausforderungen in einer sich verändernden Welt“.

Das resümierende Podiumsgespräch am 1. Dezember ergab eine positive Bilanz. Man habe auf der Tagung einen „Katholizismus in Bewegung“ gesehen, so Prof. Dr. Bernd Oberdorfer. „Der Katholizismus entdeckt mit dem Blick nach draußen etwas Neues. Der Katholizismus wird sich verändern“, ergänzte die katholische Theologin Prof. Dr. Johanna Rahner (Tübingen). Katholiken und Lutheraner bräuchten „die Kritik und den Zuspruch des jeweils anderen. Die ökumenische Offenheit schließt ein Interesse an dem ökumenischen Partner ein“, so Oberkirchenrat Dr. Oliver Schuegraf vom Amt der VELKD.

Die Tagung habe gezeigt: „Den Weg des Partners wahrzunehmen, die noch tiefere Einheit suchen – das ist das Ziel. Wir sind verpflichtet, diese Einheit weiterhin zu suchen und zu entwickeln. Das Anliegen der VELKD war es, mit der Tagung einen Gesprächsraum zu eröffnen, um falsche Alternativen und Konfessionsklischees zu überwinden und neue Perspektiven für den ökumenischen Dialog aufzuzeigen“, resümierte der Catholica-Beauftragte der VELKD, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke (Bückeburg). Auch das Konfessionskundliche Institut Bensheim als Kooperationspartner der Tagung wertet diese als wichtigen Meilenstein ökumenischen Miteinanders.

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Martin Bräuer

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