Sie erheben ihre Hände beim Singen. Sie sprechen in unverständlichen Sprachen. Sie fallen zu Boden, weil sie das Wirken des Geistes als umwerfende Kraft erleben. Außergewöhnliche Ergriffenheitserfahrungen manifestieren sich bis ins Körperliche hinein. In enthusiastisch geprägten Gottesdiensten geht es um ein Frommsein mit Begeisterung, um die „Enttabuisierung der Glaubensemotion“. Im Zentrum stehen neben der Predigt Lobpreis, Segenshandlungen, ein Siegesbewusstsein im Kampf gegen die Mächte des Bösen.

Leider ist es auch nach der Beobachtung ökumenischer Fachleute unübersehbar, dass sich „neue konfessionalistische und nationalistische Tendenzen in allen Religionen und Regionen“, breit machen. Deshalb ist es umso wichtiger, „dass wir uns daran erinnern, dass wir zur Einheit berufen sind“. Sie kennen alle die einschlägigen Texte, die Bilder und Metaphern über die Einheit der Glieder am Leib Christi, die durch einen Herrn, eine Taufe und einen Glauben verbunden sind, und das Gebet Jesu für diese Einheit im Neuen Testament (1. Korinther 12, Epheser 4, 1-5, Johannes 17, 20 f. u.a.). Die urchristlichen Gemeinden verstanden sich als eine Art Netzwerk in gegenseitiger Pflicht zur Unterstützung. Es gab kein uniformes Kirchen- und Amtsverständnis. Heute ist das ganz anders.

Die Charta Oecumenica ist ein Text, den alle Kirchen Europas gemeinsam erarbeitet haben. Die Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland haben sie auf dem 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin unterzeichnet. Die Kirchen wollen das ökumenische Miteinander auf dem europäischen Kontinent intensivieren, indem sie gemeinsame Regeln für die Praxis festlegen. Das kommt im Untertitel der Charta Oecumenica zum Ausdruck: „Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa“.

Seit der Gründung des Instituts für Ökumenische Forschung des Lutherischen Weltbunds (LWB) bestehen intensive Verbindungen und Formen der Zusammenarbeit mit dem Konfessionskundlichen Institut in Bensheim. Dieses war 1947 infolge der neuen konfessionellen Situation in Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vom Evangelischen Bund gegründet worden. Zehn Jahre danach errichtete die römisch-katholische Erzdiözese Paderborn das Johann-Adam-Möhler-Institut für Konfessions- und Diasporakunde. Und als Konsequenz der ökumenischen Öffnung des Katholizismus durch das Zweite Vatikanische Konzil startete der Lutherische Weltbund wiederum rund zehn Jahre später die Arbeit seines Instituts in Strasbourg.

„Healing of Memories“ (HoM) wurde erstmalig als seelsorgerlich-therapeutisches Verfahren in der Täter-Opfer-Arbeit zur Aufarbeitung von persönlichen Verletzungen in Südafrika in Anwendung gebracht. Es fand in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre Eingang in Europa im Zusammenhang mit Aufarbeitungsprozessen in Nordirland. 2004 beschlossen die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) das gemeinsame Projekt „Healing of Memories – Brücke zwischen Kirchen, Kulturen und Religionen in Südosteuropa“.

Mit der Krönung Iwans VI. 1547 begann die knapp 400jährige Epoche des russischen Zarentums, dessen außenpolitische Rolle stets zwischen der Anbindung und der Distanzierung zu den europäischen Mächten schwankte. Durch die enge Verbindung der Staatsmacht mit der ROK wirkte sich das unmittelbar auf die Kirche aus.

Nach reformatorischem Verständnis gehören Eheschließung und Ehe in das weltliche Handeln Gottes. Auch die weltliche Existenz der Menschen mit ihren Ordnungen und erhaltenden Hand Gottes. Die Ehe gehört insofern zur Schöpfungsordnung, nicht zur Erlösungsordnung. Sie ist kein Gnadenmittel. Von der Versöhnung her fällt aber ein Hoffnungslicht auf die noch immer der Erlösung her werden die Orientierungen im Vorletzten, zu deren schönsten Gestalten die auf Dauer und Verlässlichkeit ausgerichtete, von Vertrauen geprägte Liebe zweier Partner zählt, konstituiert und korrigiert.