Asketisch aussehende bärtige Männer in Kapuzen, weise Alte in schwarzen Kutten, die Gläubigen geistlichen Rat geben, frauenfeindliche Festungen auf dem Berg Athos … das sind nur einige der Bilder, die viele im Kopf haben, wenn sie an Mönchtum in den orthodoxen Kirchen denken. Diese Bilder einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, hatten sich 20 junge Studierende vorgenommen und trafen sich vom 7.-9. Juli 2023 zur Tagung des Jungen Forum Orthodoxie im koptisch-orthodoxen Kloster in Höxter-Brenkhausen unter der Leitung der Orthodoxiereferentin des Konfessionskundlichen Instituts, Dr. Dagmar Heller.

Klischees wurden bereits durch den herzlichen Empfang vom koptischen Bischof Damian aufgebrochen. Damit wurde bereits deutlich, dass das Thema hier nicht nur theoretisch-analytisch behandelt werden würde, sondern auch in einer lebendigen Begegnung- in diesem Falle mit dem ägyptischen Mönchtum, wo der Ursprung des monastischen Lebens überhaupt anzusiedeln ist.

Der evangelische Theologe und Kirchenhistoriker Professor Andreas Müller aus Kiel gab zunächst einen historischen Überblick zur Entstehung des Mönchtums. In einem zweiten Beitrag entfaltete die russisch-orthodoxe Nonne Sr. Vassa Larin aus Wien die Rolle des Mönchtums in der orthodoxen Kirche und stellte selbstkritisch auch die negativen Entwicklungen im heutigen Russland dar. Bischof Damian schließlich als Vertreter einer orientalisch-orthodoxen Kirche, beleuchtete die verschiedenen Aspekte des Mönchtums in der koptischen Tradition. P. Johannes Hauck von der Benediktinerabtei Niederaltaich – ein katholischer Mönch, der den byzantinischen Ritus praktiziert  – stellte die konkret praktischen Elemente des monastischen Lebens heraus und machte auf die Unterschiede zwischen westlichem und östlichem Mönchtum aufmerksam. Eine kleine Exkursion zum nahe gelegenen Kloster Corvey gehörte auch zur Tagung, und der Besuch der koptischen Liturgie am Sonntagvormittag rundete das Treffen durch eine lebendige Begegnung mit der geistlichen Dimension des Mönchslebens ab.

Insgesamt wurde die Vielfalt des Mönchtums in seiner äußeren Erscheinung deutlich, wie auch die Prägung, die die orthodoxen Kirchen durch diese Form der Nachfolge Christi für ihre Spiritualität und das gottesdienstliche Leben erfahren haben. Gleichzeitig schienen auch immer wieder problematische Entwicklungen dieser radikalen Art und Weise den Glauben zu leben auf.

Das Junge Forum Orthodoxie ist ein deutschlandweites Netzwerk evangelischer Theologiestudierender, Vikarinnen und Vikare, die ein besonders Interesse an der christlichen Orthodoxie haben. Das Junge Forum Orthodoxie hat es sich zum Ziel gesetzt, das Interesse junger evangelischer Christinnen und Christen an Glauben und Leben orthodoxer und orientalisch-orthodoxer Kirchen zu fördern, das theologische Wissen über die sie zu vertiefen und den Erfahrungsaustausch zwischen evangelischen Theologinnen und Theologen mit Kontakten zur Orthodoxie zu ermöglichen.

Ansprechpartnerin

Pfrin. Dr. Dagmar Heller
Wissenschaftliche Referentin für Orthodoxie und Leitung

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