Wer sind die orthodoxen Kirchen? In welchen Fragen unterscheiden sich die orthodoxen Kirchen von den evangelischen Kirchen oder auch der römisch-katholischen Kirche? Das sind zunächst die Fragen, die sich stellen, wenn man in Deutschland dem Phänomen Orthodoxie begegnet. Acht Teilnehmende haben sich drei Tage lang (10.-13. November) in Ludwigshafen im Rahmen eines Aufbaukurses zur Konfessionskunde zum Thema „Die orthodoxen Kirchen“ tiefergehend mit diesen Fragen beschäftigt. Zunächst ging es darum, zu verstehen, dass es innerhalb der Orthodoxie zwei Kirchenfamilien gibt, die seit dem 5. Jahrhundert voneinander getrennt ihren Glauben lebten: die byzantinisch geprägten orthodoxen Kirchen, die sich gemeinsam als ‚die Orthodoxe Kirche‘ verstehen und die orientalisch-orthodoxen Kirchen, deren charakteristische Gemeinsamkeit die Ablehnung der christologischen Formel des Konzils von Chalzedon 451 ist. Durch die ökumenische Bewegung des 20. Jahrhunderts kamen sich zunächst die orientalischen Kirchen untereinander näher, aber sie entdeckten auch im Dialog mit den byzantinischen Kirchen, dass die Unterschiede in der Christologie, die zur Trennung zwischen beiden Gruppen geführt hatten, letztlich keine sind. Konkrete wurde in den 1990er Jahren erkannt, dass die Trennung zwischenbeiden Gruppen von Kirchen auf Missverständnissen beruht; dass man damals letztlich versucht hat, denselben Glauben zu formulieren, aber in unterschiedlichen Denkkategorien.

Erzpriester Bratislav Bozovic von der Serbischen Orthodoxen Kirche vermittelte einen lebendigen Einblick in die orthodoxe Spiritualität wie auch in die Ikonentheologie der byzantinischen Orthodoxie und gab eine Einführung in den Aufbau und Ablauf einer Göttlichen Liturgie, dem zentralen Gottesdienst in der Orthodoxen Kirche. Anschaulich wurde dies schließlich durch einen Besuch in der Griechisch-Orthodoxen Kirche Kreuzerhöhung in Mannheim und die Erläuterungen des dortigen Bildprogramms durch Erzpriester Vater Dr. Georgios Basioudis. Prof. Dr. Karl Pinggéra von der Universität Marburg schließlich brachte den Teilnehmenden die orientalisch-orthodoxen Kirchen, d.h. die Syrisch-Orthodoxe, die Koptisch-Orthodoxe, die Äthiopisch-Orthodoxe und die Armenisch-Apostolische Kirche nahe. Dabei kam auch die Assyrische Kirche des Ostens zur Sprache, die nicht zur Gruppe der orientalisch-orthodoxen Kirchen gehört, aber als eine altorientalische Kirche bezeichnet werden kann, da ihre Theologie im alten Perserreich entwickelt wurde. Dr. Konstantin Vliagkoftis, ein griechisch-orthodoxer Theologe aus Bonn, erklärte das Konzept der ‚Mysterien‘, wie die Sakramente in der Orthodoxie genannt werden und gab schließlich einen Überblick über die ‚Orthodoxie in Deutschland‘. Die Organisatorin des Kurses, die Orthodoxiereferentin des Konfessionskundlichen Instituts Dr. Dagmar Heller behandelte das Thema ‚Orthodoxie und Ökumene‘ und gab zum Abschluss einen Einblick in die derzeitige Situation der Orthodoxen Kirche (also der byzantinischen Orthodoxie), die vor allem mit den Entwicklungen in der Ukraine zusammenhängt.

Die Teilnehmenden stellten fest, dass vor allem die lebendige Anschauung durch den Besuch einer orthodoxen Kirche und die Vorträge und Gespräche mit orthodoxen Theologen einen vertiefenden Einblick in eine für Evangelische oft fremde und nicht immer leicht verständliche Glaubenswelt und Frömmigkeit möglich machte.

Der nächste Aufbaukurs des Konfessionskundlichen Instituts behandelt das Thema “Freikirchen” und findet in online- und Präsenzformaten im März 2025 statt. Das Programm finden Sie hier.

Ansprechpartnerin

Pfrin. Dr. Dagmar Heller
Wissenschaftliche Referentin für Orthodoxie und Leitung

Telefon

06251.8433.19