Erstmals seit 2001, damals in Ratzeburg, kam die Anglican-Lutheran Society zu ihrer zweijährlichen internationalen Tagung in Deutschland zusammen. Im Hamburger St. Ansgar-Haus, einer Einrichtung der katholischen Kirche, tagte sie zu dem Thema „A changing church in an age of migration“.

Besuch im Regerhof Flüchtlingsprojekt
Knapp 40 Teilnehmer kamen aus Großbritannien, Deutschland, den USA, Estland, Lettland, Finnland, Norwegen und Schweden zusammen, aus jenen Ländern also, deren anglikanische und lutherische beziehungsweise evangelische Kirchen (EKD) durch die Abkommen von Meißen (1991), Porvoo (1992) und Augsburg (2025) verbunden sind. Sie fragten danach, welche Rolle anglikanische und lutherische Kirchen bei der Gestaltung und dem Dienst an der Kultur unserer Länder in einer Zeit übernehmen, die von den Veränderungen in einer Welt voller Migration geprägt sind? Welche Bedeutung haben nationale und sprachliche Identitäten für die Gemeinden und für Christen, die ihre Heimat verlassen und sich an anderen Orten niederlassen? Der Tagungsort Hamburg hat dabei eine besondere Bedeutung, da die Stadt seit Jahrhunderten ein Zentrum des internationalen Handels, der interkonfessionellen Begegnung und der Migrationsbewegungen ist. Neben dem Tagungsthema ging es auch um die Fortschritte in der anglikanisch-lutherischen Ökumene und das Kennenlernen der gastgebenden Nordkirche (Africa Centre, Flüchtlingsprojekt Regerhof, deutsch-dänische Kirchengeschichte). 
Internationale Wanderungsbewegungen führen teilweise zur Bildung von Migrationsgemeinden neuer Konfessionen und teilweise zur Integration von Migranten in einheimische Kirchen. Kirchen können auf diese Weise in verschiedenen Formen Beheimatung bieten, die im Idealfall die Herkunfts- und die Aufnahmekultur verbinden.
Bei allen diesen Prozessen verschiebt sich die jeweilige Bedeutung von Herkommen und Hiersein für den Einzelnen von Generation zu Generation. Das stellt für migrantisches Christentum oft eine Herausforderung dar, wenn Eltern erleben, dass die Identität ihrer Kinder immer weniger von ihrer Herkunft bestimmt wird.
Einwanderung folgt auf Auswanderung – Pfarrer Thomas Joseph (Berlin) schilderte, wie für kleinere Kirchen, so zum Beispiel seine Syrische Mar-Thoma Kirche, die Entstehung europäischer Gemeinden aufgrund der Einwanderung vieler hochqualifizierter junger Inder mit einem Aderlass in der Heimat einhergeht: Plötzlich fehlen hier viele junge Menschen und ihre Familien, die eigentlich die Zukunft der dortigen Kirche darstellen.
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt (Schwerin) sprach als Vizepräsidentin des Lutherischen Weltbunds zu dessen Migrationsarbeit. Stefanie Reuther (EKD-Referat für Nord- und Mitteleuropa, Hannover) präsentierte, als einzige Referentin digital (aus Luxemburg) zugeschaltet, über die praktische Umsetzung der Abkommen von Meißen (EKD – Church of England) und Augsburg (Ev.-Luth. Kirche in Bayern und Episcopal Church der USA). Der Pfarrer der
anglikanischen Gemeinde in Wiesbaden, Christopher Easthill, berichtete in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der ACK Deutschland über die deutsche Ökumenelandschaft.
Gottesdienste und Andachten in anglikanischer und lutherischer Tradition sind ein wesentlicher Teil dieser Tagungen. In Hamburg wurde die Konferenz hierfür in den katholischen Mariendom eingeladen, der sich neben dem Tagungshaus befindet. Vor allem einige überseeische Teilnehmer waren bewegt von der für sie unerwarteten Gastfreundschaft. Sie ging so weit, dass mit Archdeacon Christine Allsopp eine anglikanische Pfarrerin hier die Eucharistiefeier feiern konnte. “I never thought I’d see this, a woman priest celebrating Eucharist in a Roman Catholic cathedral!”
Das vollständige Tagungsprogramm zeigt, welche weiteren Themen neben den obigen Schlaglichtern vorkamen.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Konfessionskundliches Institut Bensheim statt, für das Kai Funkschmidt die Tagung mitgeplant hatte.
Die nächste Konferenz findet vom 8. bis 12. September 2028 in London statt.
