Freikirchenreferent Dr. Lothar Triebel unterrichtet in diesem Semester zum dritten Mal „Freikirchenkunde“ innerhalb der Disziplin „Praktische Theologie“ am Fachbereich Ev. Theologie der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Diesmal ist das Seminar „Freikirchen – Geschichte, Struktur und Gottesdienstkultur“ betitelt. In den vergangenen Jahren hat Triebel Entsprechendes gelegentlich im Co-Teaching mit Kirchengeschichtsprofessoren an den Ev.-theologischen Fakultäten in Mainz und Heidelberg getan. Er hat auch schon im „Rhein-Main-Master“ unterrichtet, einem Studiengang der evangelischen Theologie, den die Universitäten Mainz und Frankfurt gemeinsam für Menschen anbieten, die bereits ein Studium hinter sich haben und als „second career“ das Pfarramt anstreben.

Wie in Frankfurt üblich ist die Seminargruppe sehr gemischt, was Konfession, Alter und Studiengänge angeht. Für Freikirchen interessieren sich hier Studierende im Magisterstudiengang Theologie, in verschiedensten Lehramtsstudiengängen, aber auch Menschen, die Religionswissenschaft im Haupt- oder Nebenfach studieren. Neben acht Seminarsitzungen im üblichen wöchentlichen Format gibt es vier halbtägige Sonntagsexkursionen, bei denen die Studierenden gemeinsam Gottesdienste unterschiedlicher Freikirchen besuchen und hinterher zunächst mit den Gemeindegliedern, sodann mit Leitungspersonen der Gemeinden in Gespräche eintreten. Der Unterrichtstag beginnt schon um 9.00 Uhr, um vor dem Gottesdienst Grundlagen von Geschichte und Lehre der jeweiligen Kirche zu erarbeiten. Das erfordert für die Studierenden, die zum Teil Dutzende von Kilometern entfernt wohnen, sowie für den Dozenten, für den selbiges gilt, als wichtigstes Seminarutensil einen funktionierenden Wecker …

Trotz dieser für studentische Lebensführung durchaus herausfordernden Wochenendgestaltung kommt in diese Frankfurter Seminare immer eine zweistellige Anzahl von Studierenden, was für heutige Verhältnisse, bei denen Seminarangebote häufiger mangels Beteiligung nicht durchgeführt werden können, bemerkenswert ist. Offenkundig sind Freikirchen für nicht wenige Menschen, die sich für Religion bzw. Theologie interessieren, von Bedeutung, ob sie nun selbst einer solchen angehören oder nicht, und, falls nicht, auch unabhängig davon, wie viel reale Erfahrung sie mit Freikirchen haben. Tatsächlich gibt es aber viele Landeskirchler*innen, die Freikirchenerfahrungen haben, und es sind nicht wenige Freikirchler*innen, die an einer staatlichen Fakultät Theologie studieren.

Die besuchten Kirchen sind in diesem Semester die Mennoniten- und die SELK-Gemeinde Frankfurt, die Freie Christengemeinde (im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden) sowie die NAK-Gemeinde Ffm-Nord. Die Themen der wöchentlichen Sitzungen, für die Triebel mehrfach freikirchliche Experten von außerhalb eingeladen hat, erstrecken sich unter anderem auf „Freikirchen in Schulbüchern“, „Predigtgemeinschaft von EKD und Vereinigung Ev. Freikirchen“, „Freikirchliche Medien und Freikirchen in den Medien“, „Russlanddeutsches Christentum“ sowie „Freikirchen in der Ökumene“.

Der neue Referent für Publizistik, Dr. Martin Schuck, hat bereits seit seiner früheren Tätigkeit beim Konfessionskundlichen Institut (1998 bis 2009) einen Lehrauftrag für Konfessionskunde am Standort Landau der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU). Sein Seminar „Religiöse Gegenwartskulturen: Evangelische und Katholische Kirche“ umfasst im Wintersemester jeden Mittwoch zwei Wochenstunden und ist seit einigen Jahren fester Bestandteil des Moduls „Religiöse Gegenwartskulturen“ im Bachelor-Studiengang für Lehramtsstudierende aller Schularten.

In den ersten Jahren seiner über 20jährigen Lehrtätigkeit hat Schuck verschiedene Themen aus dem Bereich Catholica angeboten; mit der neuen Studienordnung Anfang der 2010er Jahre erfolgte die Integration in den Bachelor-Studiengang, was eine Festlegung des Themas auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Lehre und dem Aufbau der römisch-katholischen Kirche als Weltkirche einerseits und der evangelischen Landeskirchen in Deutschland andererseits notwendig machte. Allerdings erfolgt auch ein Blick auf den weltweiten Protestantismus, ebenso wie auf die altkatholische und die anglikanische Kirche als Beispiele für Kirchen, die ihre katholische Prägung bewahren, sich aber von Rom unabhängig machen wollten.

Derzeit nehmen etwa 15 Studierende mit Abschlüssen für sämtliche Schularten von Sonderpädagogik bis Lehramt Gymnasium an den Seminaren Teil. Die recht geringe Anzahl erklärt sich aus der Entscheidung der Institutsleitung, nur Studierende mit dem Ziel eines doppelten Bachelorabschlusses zuzulassen. In den Jahren vor der Pandemie nahmen manchmal 50 bis 70 Studierende an den Seminaren teil.

Ansprechpartner

Pfr. Dr. Lothar Triebel
Referat Freikirchen

Telefon

06251.8433.22

Pfr. Dr. Martin Schuck
Wissenschaftlicher Referent für Publizistik