
Astrid Horn, 2. Vorsitzende des EB Hessen, Erzpriester Radu Constantin Miron, Institusleiter Mario Fischer und Christian Schad, Präsident des Evangelischen Bundes. Foto: privat
„Vielleicht liegt es in der Natur der Konversion, dass man eher das, was man verlässt, beschreiben kann und will, als das, was man sucht“, bilanzierte Erzpriester Radu Constantin Miron seinen Vortrag zum Thema „Gegensätze ziehen sich an? – Anmerkungen zum Verhältnis zwischen Orthodoxie und Protestantismus“ im Konfessionskundlichen Institut. Miron war Gastredner beim Sommerempfang des Konfessionskundlichen Instituts am 19. Juni. Der 70-Jährige ist Erzpriester des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel und der griechisch-orthodoxen Metropolie in Deutschland. Von 2019 bis 2025 war er Vorsitzender der ACK Deutschland.
Miron führte aus, er habe „ein gedankliches Experiment gewagt“, nämlich die Frage nach der gegenseitigen Anziehungskraft evangelischer und orthodoxer Kirchen „anhand eines unüblichen Kriteriums zu untersuchen, nämlich dem, was man als ein ‚Tabuthema der Ökumene‘ bezeichnet hat, nämlich den Kirchenwechsel“. Dieses Experiment, so Miron, sei gescheitert, denn ihm seien in der Literatur nur wenige Namen von Konvertiten begegnet. Miron nannte als Evangelische, die orthodox wurden, Richard Gölz (1887-1975) und Karl Christian Felmy (1938-2023) sowie die Wuppertaler Theologin Susanne Hausammann (1931-2021), die in Nachruf der Kirchlichen Hochschule Wuppertal als „orthodox-evangelische Theologin“ bezeichnet worden sei.
In Deutschland sei ihm der Name eines einzigen ehemaligen orthodoxen Priesters bekannt, der jetzt Pfarrer in der Hannoverschen Landeskirche sei. Allerdings, so Miron, wisse er, dass in einigen Landeskirche ehemalige orthodoxe Priester Pfarrer seien. Miron erzählte, er sei bei seiner Recherche an zwei „bekannten Persönlichkeiten Rumäniens hängengeblieben“, nämlich Teodor Popescu (1887-1963) und Dumitru Cornilescu (1891-1975). Diese orthodoxen Geistlichen hätten Anfang der 1920er Jahre eine Gemeindebewegung gegründet und die orthodoxe Kirche verlassen. Allerdings, so Miron, seien diese nicht einer bereits existierenden Kirche oder Konfession beigetreten, sondern hätten „eine neue Konfession in Rumänien“ begründet, die sich den Namen „Christen gemäß der Heiligen Schrift“ gab.
Aufgrund dieser spärlichen Zeugnisse, so Miron, sei er gescheitert mit seinem Experiment, „die gegenseitige Attraktivität unserer Kirchen durch das Herausarbeiten eines oder mehrerer Motive für einen Beitritt zu belegen“. Dies sei einerseits enttäuschend, andererseits aber auch erfreulich, da Kirchenübertritte „nicht zu den konstituierenden Elementen der Ökumene gehören“, so Miron. Er schloss mit dem Fazit, dass nach seiner Einschätzung weder Protestanten trockene Rationalisten noch Orthodoxe abergläubische Ritualisten seien, sondern beide „andachtsvolle und lebendige Glaubensgemeinschaften“, denen es „um das Geschenk der Freiheit in Christus, dem Herrn der Kirche“, gehe.
Seit 2017 wird der Sommerempfang des Konfessionskundlichen Instituts gemeinsam mit dem Johannisempfang des Evangelischen Bundes Hessen durchgeführt. Dieser vergibt einen Hochschulpreis, der in diesem Jahr der Vikarin Marie Rascher und der Theologiestudentin Carolin Sigmann überreicht wurde.
