Berichten über Entwicklungen in ihren Fachgebieten (von links): Dirk Spornhauer, Wolfram Langpape, Kai Funkschmidt, Mario Fischer und Lothar Triebel. Foto: MS.

„Katholikos Karekin II. ist 1999 mit massiver Unterstützung der autokratischen prorussischen armenischen Staatsführung ins Amt gekommen. Seit der Samtenen Revolution 2018, die den seitdem im Amt befindlichen Premierminister Nikol Paschinjan an die Spitze des Landes gebracht hat, ist das Verhältnis von Kirchen- und Staatsführung angespannt“, sagte Wolfram Langpape, Referent für Orthodoxie am Konfessionskundlichen Institut, beim „Ökumene update“ des Konfessionskundlichen Instituts in der Sophienkirche in Berlin am 3. Oktober. Weiter zugespitzt habe sich der Konflikt nach den Kriegen Armeniens mit Azerbaidschan 2020 und 2023, da die Kirchenführung den Waffenstillstand im Dezember 2020 und die Nicht-Einmischung Armeniens in den Karabach-Krieg 2023 massiv kritisiert habe, so Langpape weiter.

Die Auseinandersetzung zwischen Kirchen- und Staatsführung werde immer komplexer seit Premierminister Paschinjan im April 2024 die Übergabe von vier unbewohnten Dörfern in der Region Tawusch an Aserbaidschan zugesagt habe. Langpape beschrieb, dass Begrat Galstanjan, der Erzbischof von Tawusch, obwohl er ohne offizielles Mandat der Kirche die Rückgabe der Dörfer und den Rücktritt des Premierministers forderte, für seine politische Tätigkeit vom Katholikos freigestellt wurde.

Langpape berichtete exemplarisch von Fällen einzelner Akteure, um die Eskalation des Konflikts nachzuzeichnen. So forderten zehn Bischöfe den Rücktritt des Katholikos, und auch der Premierminister habe den Rücktritt des Katholikos und die Reform des Wahlrechts zu seinem Regierungsprogramm gemacht. Ein Grund dafür sei, dass der Bruder des Katholikos, der ehemals KGB-Agent war und aktuell Erzbischof der Moskauer Diözese der Armenisch Apostolischen Kirche ist, als einflussreichster Kandidat für eine Neuwahl gelte, so Langpape.

Langpape hob hervor, dass eine wachsende Zahl von Priestern dem Katholikos die gottesdienstliche Fürbitte verweigere und Premierminister Paschinjan nahezu wöchentlich die Eucharistie von Priestern entgegennähme, die vom Katholikos entlassen worden seien.

Das „Ökumene update“ ist die alljährliche Kurzinformation der Referenten des Konfessionskundlichen Instituts über Entwicklungen in ihren Fachreferaten zum Abschluss der Generalversammlung des Evangelischen Bundes, die in diesem Jahr vom 1. bis 3. Oktober in Berlin stattfand. Zu den weiteren Themen zählten der Rückblick auf die Reaktionen zur Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. sowie der Konflikt um die Exkommunikation der Piusbruderschaft, kommentiert vom Catholica-Referenten Mario Fischer. Kai Funkschmidt wies auf die nächste Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes 2030 in Augsburg hin und berichtete über die Einführung von Sarah Mullally als erster Frau auf dem Stuhl des Erzbischofs von Canterbury.

Lothar Triebel, Referent für Freikirchen, berichtete über neue Entwicklungen in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und Dirk Spornhauer, Beratender Mitarbeiter für Pfingstkirchen und charismatische Bewegungen, blickte auf das Jubiläum der Freien christlichen Jugendgemeinschaft in Lüdenscheid zurück und berichtete über die Vorwürfe an deren Gründer Walter Heidenreich. Moderiert wurde das „Ökumene update“ von den Pfarrerinnen Eva Maria Horn, Vorsitzende des Evangelischen Bundes Hessen, und Elisabeth Engler-Starck. Die Themen des „Ökumene updates“ werden in ausgearbeiteter Form als Ökumenischer Lagebericht des Konfessionskundlichen Instituts im MdKI 1/2027 veröffentlicht.

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